Goethe, Schwab og Munch

Goethe og Legenden om de Hellige tre Konger

Efter reformationen blev legendestoffet om de Hellige tre Konger trængt ned i den folkelige undergrund i den protestantiske del af Europa. Legendestoffet var ikke i overensstemmelse med den korrekte teologiske linje. Også ”Historia Trium Regum” blev mere eller mindre glemt i dannede kredse. Men i 1819 faldt selveste Goethe over en latinsk udgave af det middelalderlige skrift – uden forfatter og årstal. Han blev vildt begejstret. Det talte til hans store romantiske følelser og hans optagethed af det ”folkelige”. Han skrev straks en artikel til et tidsskrift hvor han glædede sig over fundet. Året efter fandt en af hans venner ud af, at det drejede sig om ”Historia Trium Regum”

Vennen opfordrede Goethe til at lade sin ”mesterhånd” bruge til en oversættelse til samtidig tysk. Goethe var imidlertid temmelig stresset af alle mulige andre arbejdsopgaver, så han gav opgaven videre til en anden forfatter, Gustav Schwab, som i 1821 kunne forelægge Goethe en udgave på vers. Helt i romantikkens ånd, fuldt af store følelser og malende, dramatiske beskrivelser. Goethe var tilfreds med arbejdet, og i 1822 udkom det.

Det gav dels anledning til en fornyet interesse for legenden også videnskabeligt, dels gav det stødet til en (gen)oplivelse af ”Sternsinger-traditionen med helligtrekongersoptog i byer og landsbyer.

Kilde:

http://www.augsburger-allgemeine.de/krumbach/Goethe-machte-die-Heiligen-Drei-Koenige-modern-id18171031.html.

Schwabs gendigtning:

(Dansk oversættelse, se efter den tyske tekst!)

Umströmt von seiner Kräuter Düften
Und überwallt von edlem Holz,
Der höchste, steigt aus blauen Lüften
Ein Berg, des Morgenlandes Stolz;
Steil ist der Pfad und lang die Reise,
och oben herrlich Tag und Nacht;
uf seinem Gipfel stehn zwölf Greise
Und schauen in des Himmels Pracht.

Sie hüllen sich in die Gewande
Und schlummern über jeden Tag,
Der unter ihnen auf die Lande
umsonst sein Licht verbreiten mag.
Sie lassen sich vom Nachthauch wecken,
Der durch der Bäume Wipfel fährt;
Den Sternen, die den Himmel decken,
Ist dann ihr Auge zugekehrt.

Mit allen Wunderzeichen schimmert
Das Buch des Himmels aufgerollt;
Was unten nur wie Silber flimmert,
Das leuchtet hier wie reines Gold.
Ward in den Sternen je gelesen
Der irdischen Geschicke Pfand,
So ist es dieser Berg gewesen,
Auf dem der Seher Gottes stand.

Auch diese stehen zu erkunden
In dem Gestirn des Himmels Rat,
Doch haben sie noch nicht gefunden
Ihr Saatkorn in der reichen Saat:
Den Stern, der herrlich, überschwenglich,
Vor allen andern stralenvoll,
Ein Licht, ein Feuer unvergänglich
Den blinden Heiden zünden soll;

Den Stern, den Bileam verkündigt,
Der einem König stralen wird,
Der einst die ganze Welt entsündigt
Und herrschen soll, der Völker Hirt.
So lautete der Spruch des Weisen
An das erstaunte Morgenland;
Das rief den himmelskund’gen Greisen
Zu wachen auf des Berges Rand.

Die Hoffnung kürzt des Weges Ferne,
Sie ebnet rings den steilen Pfad,
Erhellt die alten Augensterne,
Macht den gebeugten Nacken grad’.
Und ist im Tod ihr Blick zerronnen,
Den langes Forschen aufwärts zog,
So wecken ihn die tausend Sonnen,
Zu denen seine Sehnsucht flog.

2. Wie der Stern erschien

[382] So gingen Viele zu den Sternen,
Die sahen den verheißnen nicht,
Und andre stiegen auf, zu lernen,
Von wannen schiene doch sein Licht.[382]
Und diese schieden auch im Glauben
Und starben hin in Hoffnungslust,
Kein Zweifel kam, den Stern zu rauben,
In die erhellte Heidenbrust.

Und Zwölfe blieben’s ihrer immer,
Sie harrten aus im Glanz der Nacht,
Sie schliefen bei des Tages Schimmer,
Von stern’gen Träumen angelacht.
Noch lagen sie, in die Gewande
Gehüllt, in Abends erstem Duft,
Da weckte sie ein Glanz am Rande,
Wo sich berühren Erd’ und Luft.

Die Blicke glühn, die Herzen schwellen,
Denn, einer Morgenröte gleich,
Sehn sie den Osten sich erhellen,
Und alle Sterne werden bleich;
Es steigt, es steigt – es ist die Sonne,
Zu nennen ist ein Stern es nicht,
Getrunken hat er aus dem Bronne
Des ew’gen Lichtes selbst sein Licht.

Er sendet lange, goldne Stralen,
Nicht, wie die andern Sterne thun,
Die heute matt in ihrem fahlen,
Verschwommnen, armen Glanze ruhn.
In ganzen Strömen gießt er nieder,
Das Licht, das seinem Kern entstammt,
Als schlüg’ ein Adler sein Gefieder,
So wallt sein Stral, und fleugt und flammt.

Die Zwölfe sandten Zeichentöne
Ins nebeleingehüllte Land,
Dieweil der Stern in seiner Schöne,
Den Berg verklärend, stille stand.
Er stand und wich nicht mit dem Dunkel,
Er spielte mit dem Morgenthau;
Die Sonne kam, es drang sein Funkel
Unausgelöscht hinab zur Au’.

Da ward ein Jubel und ein Schrecken,
Als man gewahrte Berg und Thal
Mit zweier Sonnen Schein sich decken,
Und Alles glühn im Doppelstral.
Es war, als ob mit Zungen sängen
Die Lichter hell einander an,
Es war, als spräch’s in tausend Klängen:
Geht, euren König zu empfahn!

  1. Wie drei Könige sich aufmachten, dem Sterne nachzuziehen

Drei Kön’ge machten da sich auf,
(Doch keiner wußte von dem andern),
Die merkten auf des Sternes Lauf,
Und huben an mit ihm zu wandern.
Schon lange harrten sie des Herrn,
Den des Propheten Wort verkündet,
Der Sehnsucht Funken hat der Stern
Zur lichten Flamme jetzt entzündet.

Ein jeder nun bereitet sich
In den drei fern geschiednen Landen
Mit Opfern, Gaben, königlich,
Zierraten, köstlichen Gewanden.
Und Mäuler und Kameele drückt
Die Last der aufgeladnen Güter,
Manch gutes Saumroß geht gebückt,
Und nebenher die Schar der Hüter.

Und jeder, neben andrem Gut,
Nimmt seines Landes eigne Gaben;
Des Golds und der Gesteine Glut
Sucht aus der König der Araben;
Der Herr von Saba drückt den Saft
Des edlen Weihrauchs aus dem Baume,
Dem dunkeln Myrrhenkraut entrafft
Der Tharser fürst von seinem Flaume. <

Was zu des Leibes Notdurft frommt,
lädt jeder auf, zur langen Reise;
»Von Jakob’s fernem Volke kommt
Der Herr der Herren!« sprach der Weise.
Dorthin zieht sie das Sterngebild,
Doch weiß es keiner von dem andern:
Einöde voll Gewürm und Wild
Trennt ihre Pfade, die sie wandern.

Sie rüsten große Heeresmacht,
Den Neugebornen zu empfangen,
Sie sehn im Geiste schon die Pracht
Der königlichen Hofburg prangen;
Sie baun im Geiste den Palast,
Das Cedernthor, die Marmelstiege; –
Und drinnen schläft in Duft und Glast
Der Königssohn in goldner Wiege.

Denn solch’ und größre Herrlichkeit
Verspricht der Stern, der golden leuchtet,
Und all das funkelnde Geleit
Mit seines Lichtes Thau befeuchtet;
Wo solche Stralen mild und klar
Sich auf die dunkeln Wege streuen,
Ja, müßten ziehen sie ein Jahr,
Es will sie dennoch nicht gereuen.

  1. Wie die Könige fuhren

[385] Doch war die Reise noch so fern,
So ging die Fahrt doch wunderleicht,
Vor jedem wandelt hin der Stern,
der Sterne, Mond und Sonne bleicht.
Kein Hunger kam, kein Schlaf auf sie,
Es war ein ew’ger, gleicher Tag,
Nach keinem Futter schnaubt ihr Vieh,
Es gehn die Hufe Schlag auf Schlag.

In keiner Herberg hält der Zug,
Ihn lockt nicht Lust, ihn hemmt nicht Qual,
Durch Stepp’ und Fruchtfeld geht’s im Flug
Durch Land und Wasser, Berg und Thal. Weit offen ist der Städte Thor,
Sie stäuben durch mit Roß und Mann,
Der Klang fährt durch der Städter Ohr,
Das Auge kaum sie schauen kann.

Dann zeuget die zerstampfte Flur,
Daß es kein wüstes Traumbild war,
Und jeder spricht: Siehst du die Spur?
Und sahest du die blanke Schar?
Woher, wohin kam dieser Hauf?
Gilt es um einen Königsthron? –
So fährt die Sage bangend auf,
Doch Jene sind schon längst davon.

  1. Wie die Könige zusammen kamen

Als nun die zwölfte Nacht vergangen,
Die doch war keine Nacht zu nennen;
Da ward ein Nebel umgehangen,
Daß auch erlosch des Sternes Brennen.
Da blieb der Sonne Licht verborgen,
Da mußte, von der Nacht befallen,
Das erste Mal seit dreizehn Morgen
Der Zug der Fürsten mühsam wallen.

Auf eines Hügels Felsgesteinen
Hielt an der Eine mit dem Traben;
Er lagerte sich mit den Seinen,
Das war der König der Araben.
Sie sahn sich in den Finsternissen
Vergebens um nach Stern und Sonnen,
Sie lagen ohne nur zu wissen,
Was sie für Stätte sich gewonnen.

Da tönte nebenan Getose,
Als ob vom Roß auch Andre stiegen,
Da raschelt es im Bergesmoose,
Als thäten Andre neben liegen.
Und Antwort ward auf das Gebrülle
Der Stier’ in des Araben Heerde: –
Jetzt stieg empor des Nebels Hülle,
Und Tag ward wieder auf der Erde.
Er stand auf eines Kreuzwegs Mitten,
Ihm gegenüber hielt ein Andrer,
Vom zweiten Pfade hergeschritten,
Ein männlich wohlgethaner Wandrer;
Und hinter ihm die Schar der Reiter,
Der Schafe Heerden, der Kameele;
Da zieht von beiden keiner weiter,
Ein Staunen fliegt durch beider Seele.

Und noch sind sie im Schau’n verloren,
Da kömmt auf drittem Weg ein Dritter,
In einer stolzen Schar von Mohren,
Er selbst ein junger, schwarzer Ritter.
»Was bringt euch,« rief er, »aus der Ferne,
So edlen Mann, so würd’gen Greisen?
Wärt ihr geführt von einem Sterne,
Wie ich, ihr würdet lust’ger reisen!«

Der zweite sprach: »Wohl einem Sterne
Vertraut’ ich meine festen Tritte!
Nicht blindlings zieht ein Mann zur Ferne,
Nach sichrem Gut lenkt er die Schritte!«
Der erste sprach: »Es muß den Greisen
Ein helles Licht zum Wandern laden,
Mich hieß das Licht der Seele reisen,
Ein Himmelslicht schien meinen Pfaden.«

Ein Jeder sprach’s in seiner Zungen,
Als wär’s die eigne, däucht’s dem andern;
Ein Jeder weiß, vom Geist durchdrungen,
Woher, wohin, zu wem sie wandern.
Sie reichen sich die Hand zum Bunde,
Sie sind Ein Herz und Eine Seele;
Sie küssen sich mit Brudermunde
Und loben Gott mit ein’ger Kehle.

Der Nebel zwar, der aufgestiegen,
Hat ihrem Blick den Stern verborgen,
Doch sich zu Füßen sehn sie liegen,
Das Ziel (so glauben sie) der Sorgen
Sie ruht im Schatten der Oliven,
Die königliche Stadt der Juden.

O wüßtet ihr, auf welchem Hügel,
Ihr Fürsten, euer Zug gehalten
Und warum seiner Stralen Flügel
Der Stern darob nicht mag entfalten!
Nicht ist er in der Stadt geboren,
Nicht suchet da den Königserben;
Doch dieser Hügel ist erkoren,
Darauf er soll am Kreuze sterben!

 

  1. Wie die Könige in Jerusalem einzogen und zu Herodes kamen

 Der Nebel schwand im Sonnenlichte,
Da glänzte Tempel, Burg und Stadt;
Als nun die Schar, die reiche, dichte,
Durch die erhellten Thore trat.
Erfüllung wurde da den Worten:
»Es kommt, o Stadt! mit Gold und Gut
Der Heiden Kraft, und deine Pforten
Umlagert der Kameele Flut.«

Doch zitterten, die drinnen wohnen,
Als sie die Heereskraft erblickt,
Die Völker, die aus fernen Zonen
Der Aufgang, der erregte, schickt.
Die Stadt, sie fasset sie nicht alle,
Der Markt ist voll, es stockt das Thor,
Die andern lagern sich am Walle
Und liegen, wie ein Feind, davor.

Da dachte man der Väter Zeiten,
Die sahen all’ der Völker Zahl
Um Wall und Mauer feindlich streiten,
Und sie bestürmen allzumal.
Da ward manch banges Wort gehöret:
»Der Indier ist da, der Mohr!
Der Ahnherr hat die Stadt zerstöret,
Wer weiß, was uns der Enkel schwor!«

Den alten König aus dem Schlafe,
Auch den Herodes weckt der Klang,
Er hört es nah’n wie Himmelsstrafe,
Er sieht vom Fenster aus den Drang.
Bald merkt er, wie der laute Schrecken
In stille Freude sich verkehrt,
Die Neugier lispelt an den Ecken,
Was ihr der Fremden Mund beschert.

Er hört das leise Wort der Leute:
»Geboren ist, den Gott verheißt!«
Und des Propheten Spruch tritt heute
Gerüstet vor den finstern Geist.
Die Schriftgelehrten heischt gesammt er,
Die Priester, in den hohen Rat,
Und frägt: »Wo ist, von wannen stammt er,
Der nach der Schrift Verheißung naht?«

Sie sprachen all’ aus einem Munde:
»Du kennest des Propheten Wort,
Nicht deutet es, o Herr, die Stunde,
Doch wohl bezeichnet es den Ort:
Du kleines Bethlem bist erkoren,
Vor allem Juda sei erfreut!
Der Herzog wird aus dir geboren,
Der seinem Israel gebeut.«

Der König hat genug vernommen,
Er sendet nach den Fremden aus,
Er bittet sie, zu ihm zu kommen,
Man führt sie heimlich in sein Haus;
Da treten herrlich ausgeschmücket
Die Fürsten vor sein Angesicht;
Er steht so ärmlich, so gebücket:
Nein! solch ein König ist er nicht!

Doch sprechen sie mit würd’gem Neigen;
»Wir sehn, du bist der Fürst des Lands;
Du wollst das Königskind uns zeigen,
Das aufging, dieses Volkes Glanz.
Es deutete, was da geschehen,
Ein alter Seherspruch uns schon,
Wir haben seinen Stern gesehen;
Sprich! ist’s dein Enkel, ist’s dein Sohn?«

Doch der, im Herzen schwer betrübet,
Sprach da mit lächelndem Gesicht,
In aller Falschheit wohlgeübet:
»In meinem Hause suchet nicht.
Es künden die Prophetengeister
Wohl einen andern, größern Herrn!
Auch mir erzählten’s meine Meister,
Und ich – fürwahr, ich hört’ es gern.

Drum sagt mir, wann sein Stern erschienen,
Erforschen möcht’ ich es mit Fleiß;
Ich selber, glaubt mir, will ihm dienen,
Sobald ich seine Stätte weiß.
Es lassen ihn die alten Kunden
Aus Bethlem, Davids Stadt, erstehn.
Eilt, sagt mir’s, wenn ihr ihn gefunden;
Nicht dürft ihr mich vorüber gehn!«

Er schweigt, und aus des Busens Schwärzen
Füllt sich sein Angesicht mit Nacht;
Den frommen Blick, die lichten Herzen
Der Kön’ge nicht es irre macht;
Sie künden ehrlich Tag und Stunde,
Daran das Licht erschienen ist,
Sie grüßen mit getreuem Munde,
Und ziehen weiter nach dem Christ.

Und Drommedar’ und Stier’ und Schafe
Und Roß und Mann ziehn aus der Stadt,
Jerusalem legt sich zum Schlafe,
In dem es vor gelegen hat.
Nur in dem Schloß, da wacht und zittert
Herodes vor der Fremden Wort;
Er rechnet hin und her, er wittert
Trug und Verrat; er sinnt auf Mord.

 

  1. Was den Königen auf ihrer Fahrt nach Bethlehem begegnet

Wie lieblich grünend stehn die Auen,
Durch die der Pfad nach Bethlem führt,
Wie vollbelaubte Hügel schauen
Ins Thal, das keinen Winter spürt.
Es weiß nichts von des Hagels Schlägen
Und bleibt im Sommer unversengt,
Es wird zur Zeit der kalten Regen
Mit warmem Frühlingsguß besprengt.

Durch solches geht die Winterreise
Der Könige mit Lenzesmut;
Die Sonne sinkt, da gießt sich leise
Durch’s grüne Feld Smaragdenglut.
Die Berge sind von Golde trunken,
Der Bäche Silber leuchtet fern;
Wohl ist die Sonne längst versunken,
Doch über ihnen geht der Stern.

Heut wandelt er mit ihren Tritten,
Er geht so fest, so rasch voran;
Ja, seine Stralen gleichen Schritten,
Und lassen Spuren ihrer Bahn.
Wie wenn ein lichter Regenbogen
Durch’s Thal, nicht durch die Wolken geht,
So haben sie den Pfad gezogen
Und eine Furche Golds gesät.

Dort liegt an eines Hügels Saume
Gelagert eine Hirtenschar,
Erweckt aus ihrem ersten Traume
Hat sie der Stern so wunderklar.
Er deckt mit weißen, weichen Lichtern
Der Schafe schlummernd Häuflein ganz,
Und auf den frommen Angesichtern
Der Hirten spiegelt sich sein Glanz.

Da kommt der Fürsten Heer gezogen,
Die Hirten richten sich empor;
Auf flücht’gem Roß herbeigeflogen
Sprengt an der Tharsisfürst, der Mohr:
»Erzittert nicht, ihr Hirtenleute!
Wir sind kein feindlich Kriegesheer;
Wir fallen nicht auf euch nach Beute,
Wir werfen nicht nach euch den Speer!«

Ihm tritt ein ernster Greis entgegen,
Neigt sich und spricht: »Gewalt’ge Herrn!
Es ist ein Wunder allerwegen:
Hier solches Heer und dort der Stern!
Doch schreckt uns nicht, was wir gewahren,
Und blendet dieser Glanz uns nicht,
Denn wißt, wir sahn des Himmels Scharen,
Und schauten mehr denn Sternenlicht.

Wir lagen still bei unsrer Heerde; –
Dreizehnmal ward seit dem es Nacht –
Da goß sich Klarheit auf die Erde,
Da wallt’ ein Glanz um uns mit Macht,
Da hatt’ im Kleid, aus Licht gewoben,
Ein Jüngling sich herab gesenkt,
Ein Hirte däucht’ es uns, der droben
Des Himmels goldne Schafe tränkt.«

Er sprach: »Getrost! ich bin Verkünder
Des Heils, das heut euch widerfährt:
Euch ist der Heiland aller Sünder,
Der Christ, in Davids Stadt bescheert.
Bewahrt das Wort von meinen Lippen,
Sucht, bis das Zeichen sich erfüllt:
Ihr findet dort in einer Krippen
Ein Kind in Windeln eingehüllt!«

Er sprach’s, und alsbald war die Menge
Der Himmelsscharen um ihn her,
Da rauschten selige Gesänge,
Da wogt’ um uns des Lichtes Meer.
Wir aber gingen anzubeten,
Wir kennen unsern König jetzt:
Seit hat von Erden-Lust und -Nöten
Uns nichts erfreut, uns nichts entsetzt.«

Nun wurden Kön’ge bald und Hirten
In freudigen Gesprächen eins,
Und Beider Heerden traulich irrten
Vermengt im Glanz des Sternenscheins.
Da war nicht Jude mehr und Heide,
Sie waren Beid’ ein Volk des Herrn.
Zu einem Reich berufen Beide,
Vom Engel die, und die vom Stern.

 

  1. Wie die Könige zu Bethlehem das Kind Jesus fanden und es anbeteten

Vor Bethlems Mauern hält der Zug;
Da luden sie von den Kameelen,
Was jedes edler Schätze trug,
Gold, Silber, Purpurkleid, Juwelen;
Sich selbst sie schmückten königlich,
Den höchsten König zu empfangen,
Und hinter ihnen reihte sich
Die Heereskraft in stolzem Prangen.

Der greise König Melchior,
Dem, als der Stern, das Auge flammte,
Ging wie ein Priester Allen vor,
Im faltenreichen Purpursammte:
Das blaue Stahlgewand umschließt
Den Balthasar, wie angeboren;
Aus Rotgold, wie aus Feuer, sprießt
Das schwarze Haupt Jaspar des Mohren.

So ziehn sie durch den kleinen Ort
In tiefen, fragenden Gedanken;
Doch macht des Engels seltsam Wort
Den Greisen und den Mann nicht wanken.
Dem Jüngling nur, dem Mohren, pocht
Das Herz noch zweifelnd an die Rippen:
Zu reimen hat er nicht vermocht
Die Königswürde mit der Krippen.

Doch nicht mehr zweifeln läßt der Stern,
Er hält in seines Laufes Mitte,
Fest, unbeweglich krönt sein Kern
Das Haupt von einer morschen Hütte.
Ein grau, zerfallen, alt Gestein,
Ein Strohdach kärglich überkleidet:
Soll das des Königs Wohnung sein?
Ja! spricht der Greis, der Stern entscheidet.

Umringt ist schnell der schnöde Stall
Von aller Erde Herrlichkeiten.
Es drängt sich rings der Diener Schwall,
Der Gaben reichste zu bereiten.
Die Fürsten treten ein gebückt,
Das Sternlicht fließet durch die Wände,
Sie sind von solchem Stral durchzückt,
Daß sich ihr Haupt senkt in die Hände.

Als sie den Blick nun aufgethan
Und all das Licht gelernt ertragen,
Wer doch vermag, was da sie sahn,
Der es nicht selbst geschaut, zu sagen?
Da wird die stolze Sprache stumm;
Doch ist ein Schein davon geblieben!
Schau dich nach frommen Bildern um,
Dort findest, Sänger, du’s geschrieben:

In dem zerfallenen Gebäu,
Da sitzt bei’m Eselein und Rinde
Im öden Stall, auf armem Heu,
Ein stilles Weib bei ihrem Kinde.
Ein Weib? O schaut ihr Angesicht!
Fürwahr, sie weiß von keinem Manne,
Mit jungfräulichem Augenlicht
Hält sie der Erde Lust im Banne.

Und ist doch es ihr eigner Sohn,
Den sie hält mütterlich umschlungen;
Sie hat, entströmt dem Himmelsthron,
Des Allerhöchsten Kraft durchdrungen.
Der stolze Mutterblick es sagt,
Es sagt’s die Hand auf reinem Herzen,
In dem’s von Gottes Lust nur tagt,
Und nachtet nur von Gottes Schmerzen.

Nicht Krone brauchet solche Frau,
Nicht der Gewänder farb’ge Gluten,
Nur eines Mantels Dunkelblau
Sieht man den reinen Leib umfluten,
Und, als der echten Gottesbraut,
Wallt ihr um’s Haar der weiße Schleier;
Doch allverklärend überthaut
Der Stern sie mit dem ew’gen Feuer.

Der Stern bestralt das zarte Kind,
Das Angesicht von Milch und Rose,
Es ist, wie andre Kinder sind,
Ruht hilflos, nackt, im Mutterschooße.
Es liegt so still und wonniglich,
Daß sie im Schauen sind verloren,
Und willig beugt der Nacken sich
Des stolzen, jugendlichen Mohren.

Verwirrt von solcher Lieblichkeit
Vergaßen sie der reichen Gaben,
Das Nächste, was der Diener beut,
Das Kleinste sie ergriffen haben.
Ein wenig Goldes faßt der Greis,
Der Mann streut Weihrauch auf’s Geschirre,
Der Jüngling sucht in Thränen heiß,
Und greift – nach einer Handvoll Myrrhe.

Die Jungfrau neigt sich mildiglich
Zu eines Jeglichen Geschenken,
Ihr Blick füllt mit dem Geiste sich,
Er scheint in Deutung sich zu senken:
Dem Gott wird Weihrauch dargebracht,
Gold wird dem Könige geboten:
Doch Myrrhe? Myrrhe schmückt die Nacht
Des Grabes, und die Gruft der Toten!
Gott, König, Mensch dem Tod geweiht!

Sie ringt mit dem verborgnen Sinne:
Ob sie dem Staunen Worte leiht? –
Die Fürsten werden es nicht inne,
Sie sind dem König zugewandt,
Sie ruhn in Andacht vor der Krippe,
Und drücken still die zarte Hand
Des Kindes an die heiße Lippe.

Doch lenkt den weisen Melchior
Der Geist auf seine beste Gabe:
Den goldnen Apfel langt er vor,
Der war einst Alexanders Habe;
Zu seines Zepters Schmuck bestellt,
Des runden Weltalls köstlich Zeichen,
Geschmelzt vom Zins der ganzen Welt –
Was läßt sich mehr dem Kinde reichen?

Mit seinem Blick und seinem Hauch
Hat dieses kaum den Ball berühret,
Sieh! der verstob zu Asch’ und Rauch;
Wohin er fuhr, ward nicht verspüret. –
Verwandelt ist das Angesicht
Des Kindes da vor ihren Blicken,
Auf seinen Wangen wohnt das Licht,
In dem die Himmel sich erquicken.

Und welch ein Aug’ – ein Aug’ ist sein,
Geformt aus Gottes Feuerflammen;
Ein Aug’ – es spricht: Die Welt ist mein,
Ich kann erlösen und verdammen! –
Jetzt taget es in ihrem Geist,
Die alten Finsternisse fliehen,
Und die entsetzte Zunge preist
Des Schöpfers Macht, vor der sie knieen. –

Wer aber steht zur Seite still,
Und sinnt, auf seinen Stab gelehnet,
Andächtig, was da werden will,
Nicht an so Herrliches gewöhnet?
Ein wohlbejahrter, frommer Mann,
Ein treuer, irdischer Berater;
Sprich, wo man bessern finden kann
Zu solchen Kindes Pflegevater?

Der nimmt die Kön’ge bei der Hand,
Und führt sie freundlich aus der Klause.
Sie stehen lang noch umgewandt
Vor dem zerfallnen, alten Hause,
Ist es doch wie ein grauer Rest
Gestürzten Tempels anzuschauen:
Der Gott, der drin sich niederläßt,
Der wird ihn herrlich wieder bauen!

So standen in Gedanken sie,
Und zogen fürbaß in Gedanken;
Doch da begann der Rosse Knie
Und der Kameele Tritt zu schwanken.
Und Hungers, Durstes, Schlafs Gewalt
Fing an im Haufen sich zu regen;
Und selbst die Fürsten mußten bald
Zu Mahl und Schlaf sich niederlegen.

Und sieh! ein Traumbild warnt ihr Herz,
Es nahen zarte Kinderseelen,
Und winken ihnen, heimatwärts
Sich einen andern Pfad zu wählen.
»Nicht in Herodes falsches Haus!«
Hell klingt das Wort in ihren Ohren.
Sie wachen auf, sie ziehen aus –
Nacht ist’s, der Stern ist längst verloren.

  1. Wie Joseph mit der Jungfrau und dem Kinde floh

Es ging der Kön’ge Zug hinaus,
Und manche Nacht kam ohne Stern,
Und öde war’s im dunkeln Haus:
Da trat der Engel ein des Herrn.
Sein Auge, schauend in der Nacht,
Ruht auf der Jungfrau, auf dem Sohn,
Den selig schlummernden, und sacht
Berührt des Vaters Ohr sein Ton:

»Fleuch nach Egypten, Mann, geschwind;
Harr’ aus, bis ich dich rufe dort.
Herodes Mordstahl sucht das Kind:
Mit ihm und mit der Mutter fort!«
In Josephs Traume spiegelt sich
Des Boten selige Gestalt;
Der Schlaf entfloh, der Engel wich,
Aufsteht er mit Marien bald.

Das Es’lein aus dem Stall er führt,
Er löst es mit dem Opfergold.
Und sorgsam dann, wie sich’s gebührt,
Hebt er hinauf die Jungfrau hold;
Das Knäblein schläft an ihrer Brust,
Er wandelt, an dem Zaum die Hand,
Und mit der Morgensonne Lust
Sind sie schon weit im offnen Land.

Der Inderschätze reiches Gut
Es hat sich wunderlich geschmiegt,
In einem Bündelein es ruht,
Das auf des Thieres Rücken liegt.
Und leicht und fröhlich geht die Fahrt,
Und überall auf ihrer Spur
Die Menschen werden beßrer Art,
Und freundlicher wird die Natur.

Die Lüfte bleiben warm und rein,
Der Berg wird eben ihrem Schritt,
Und in den öden Wüstenei’n
Entsprossen Rosen ihrem Tritt.
Und stehen wo im Heidenland
Die Götzenbilder, riesig, stumm:
Wo nur ihr Pfad sich hingewandt,
Da wanken sie und stürzen um.

Und nach der zwölften Tagfahrt schon
Winkt aus Egyptens heißem Sand
Und beut den kühlen Blumenthron
Ein selig blühend Inselland:
Dort ist der Himmel ewig hell,
Dort athmen sie des Balsams Duft,
Dort ruhen sie am schatt’gen Quell,
Und harren, bis der Engel ruft.

  1. Wie Herodes die Kindlein in Bethlehem ermorden ließ

Zu Bethlehem am selben Tage,
Da Joseph mit dem Kind geflohen,
Erhebet sich Geheul und Klage,
Da jammern Frauen, Würger drohen
Und gehn, wie Tiger in der Wüsten
Auf Raub mit mörderischem Mute;
Da mischet an der Mutter Brüsten
Die Milch sich mit des Säuglings Blute.

Das kleinste Kind wird nicht verschonet,
Muß, eh’ es lächeln kann, verderben,
Und, dem schon Lust im Auge wohnet,
Nicht Gnade kann sein Blick erwerben.
Dort ruft mit halbgelöster Zunge
Ein anderes dem Vater lallend;
Da kommt ein Schwert mit raschem Schwunge
Ihm in sein stammelnd Bitten fallend.

Und nieder schaut von dem Gebirge
Auf die mit Blut getränkten Matten,
In das Geschrei, in das Gewürge,
Der Stammfrau jammervoller Schatten.
Eins um das Andre sieht sie fassen,
Sie weint, sie ruft, sie kann’s nicht hindern,
Rahel will sich nicht trösten lassen,
Denn es ist aus mit ihren Kindern.

Doch des Herodes Henkersknechte,
So sicher sie auch spähn und schlagen,
Sie treffen nimmermehr das rechte:
Das wandert sänftiglich getragen. –
In seinen Traum am Mutterherzen
Verirrt sich nicht der Mörder Toben;
Es ist ein Kind, zu andern Schmerzen
Und andrem Sterben aufgehoben.

Ein Mann, wird er das Land durchwandeln,
Und Zeichen thun und göttlich lehren,
Mit seinem Wort, mit seinem Handeln
Zum Himmelreiche viel bekehren,
Zu einem Reich, vor dem kein König
Den Thron mit Morde braucht zu wahren,
Zu einem Reich, dem unterthänig
Nur Seelen sind und Engelscharen.

Er aber, dieses Reiches Gründer,
Er wandelt nicht den Weg zum Throne,
Er geht den Weg verdammter Sünder,
Von Dornen trägt er eine Krone.
Er wird am Kreuz den Fluch der Erde,
Die Welt erlösend, göttlich büßen;
Den Geist durchbohrt von einem Schwerte
Steht seine Mutter ihm zu Füßen.

11. Wie die Könige nach Hause kamen und was weiter geschah

Die Kön’ge, die in dreizehn Tagen
Der wundervolle Stern geführt,
Daß sie von keiner Reise Plagen,
Von keines Wegs Verdruß gespürt,
Seit sie zusammen heimwärts kehren,
Wie langsam geht ihr Zug voran,
Daß ihnen ewig däucht zu währen
Die jüngst so rasch durchflogne Bahn.

Bald gähnt ein Schlund vor ihrem Fuße,
Bald steigt ein Berg vor ihnen auf,
Vor einem brückenlosen Flusse
Steht jetzo, jäh gehemmt, ihr Lauf.
Und ist er überbaut, durchschwommen,
So wandern sie im öden Land;
Und wenn sie in’s bewohnte kommen,
Faßt Niemand ihres Worts Verstand.

Doch wo durch Zeichen und durch Worte
Sie öffnen können Aug’ und Ohr,
Erzählen sie von ihrem Horte
Und bringen ihre Wunder vor.
Mit Demut und mit ganzer Liebe
Beschreiben Mutter sie und Kind,
Und wecken heißer Sehnsucht Triebe,
Wo Menschen, die es hören, sind;

Und ziehen fort, am Leib ermüdet,
Am Geiste fröhlich und getrost,
Im Herzen seliglich befriedet,
Wenn um sie Sturm und Wetter tost.
Es trennt sich keiner von dem andern,
Und endlich, nach dem zweiten Jahr,
Sieht man hinauf den Berg sie wandern,
Wo erst der Stern erschienen war.

Dorthin bescheiden sie die Fürsten
Und ihrer Völker manchen Mann,
Die nach des Sternes Heile dürsten –
Und kündigen das Wunder an.
Da regen sich mit froher Schnelle
Der Arme viel von Jung und Alt,
Und eine freudige Kapelle
Glänzt auf des Berges Spitze bald.

Der Götter trübe Mißgebilde
Sie blieben diesem Tempel fern,
Man sah da nur in sel’ger Milde
Des Kindes Bild in einem Stern.
Jetzt ekelte vor ihren Göttern
Der Völker aufgethanem Sinn,
Sie gingen fort, sie zu zerschmettern,
Und stellten Stern und Kindlein hin.

Drauf haben leiblich sich geschieden
Die frommen Kön’ge Hand aus Hand,
Und trugen ihres Kindes Frieden
Ein jeder in sein eigen Land;
Doch ihre Herzen allerwegen,
Die blieben bei einander stets;
Und jährlich kamen sie zu pflegen
In der Kapelle des Gebets.

Und jedesmal, so oft sie kamen,
Da wußten sie der Wunder viel,
Verkündeten, wie guter Samen
In so viel neue Herzen fiel.
Von unsichtbarer Hand getrieben,
Wird ihnen leicht ihr Fürsten-Amt,
Ein kindlich Hoffen, Glauben, Lieben
Hat ihrer Völker Herz entflammt.

Gar manches Jahr verging den Frommen
In solches Kinderglaubens Stral,
Und auf dem Berg zusammenkommen
Sind sie schon mehr denn dreißigmal.
Es war der König der Araben
Gebeugter, hundertjähr’ger Greis;
Des Mohrenjünglings Haupt umgaben
Die sonst so schwarzen Locken weiß.

Und also knieten einst die Greisen
Zusammen vor des Kinds Altar,
Und um die drei, da stand der weisen,
Der edlen Morgenländer Schar;
Da kam zu der geweihten Schwelle
Herein ein schlichter Pilgersmann,
Er schaut sich um in der Kapelle,
Er hebt getrost die Botschaft an.

Es ist ein Bote von dem König!
Wie horcht der Männer glaubig Ohr!
Wie wußten sie seither so wenig,
Welch neues Bild schwebt ihnen vor!
O martervolle Kreuzerhöhung!
O Tod von unerforschter Art!
O wunderbare Auferstehung!
O wonnereiche Himmelfahrt!

Der Bote bringt die rechten Kunden,
Er hat kein Traumbild ausgehegt,
Hat in des Meisters Seitenwunden
Die zweifelsbange Hand gelegt.
Er ging, und auf dem Pilgerlaufe
Rief seinen Herrn und Gott er aus,
Und heute fodert er zur Taufe
Die Greisen in des Kindes Haus.

  1. Wie die Könige Abendmahl hielten und starben

 Vom Geiste waren sie erfüllet,
Getauft mit seines Feuers Glut;
Vom priesterlichen Kleid umhüllet,
Hoch hielten sie des Mittlers Blut
In einer goldnen Opferschale,
Und hoch des Mittlers Haupt empor,
Und riefen zu dem Abendmahle
Die Brüder in des Tempels Chor.

Hier theilten sie die hohen Gaben
Mit milden Händen selig aus,
Wie sie einst froh geopfert haben
In dem zerfallnen Tempelhaus.
Jetzt kommt das Opfer von dem Kinde,
Das überschwengliche, herab,
Das Opfer, das vertilgt die Sünde,
Und das den Stachel nimmt dem Grab.

Als wunderbar mit Trank und Speise
Sie darauf Alle rings erfreut,
Da nahte sich der Greis dem Greise,
Das Mahl dem Andern jeder beut.
Wie ward ihr welkes Haupt erhoben,
Wie ward ihr müdes Herz erquickt!
Und auf ihr Antlitz ward von oben
Ein lichter Stral herabgeschickt.

Und feurig brennt es durch die Scheiben,
Das Haus füllt sich mit weicher Glut;
Die Steine wollen Rosen treiben,
Die Wände färben sich wie Blut,
Der Kön’ge Purpur steht in Flammen,
Im Jugendschein ihr Angesicht –
Woher strömt so viel Licht zusammen?
Der Stern ist’s, der durch Wolken bricht!

Da hebt der Greise Blick sich trunken
Und senkt sich wieder sänftiglich;
Da ist ihr altes Haupt gesunken,
Als neiget’ es zum Schlafe sich;
Da weichen Knie’ und alle Glieder
Des süßen, ew’gen Schlummers Drang:
Da legt ihr Geist die Hülle nieder,
Der sich hinauf zum Sterne schwang.

Es lächelt nieder auf die Leichen
Sein Lebensbild der Stern noch lang;
Der Bote winkt mit stillem Zeichen,
Da hebet sich ein Grabgesang:
Den Erstlingen der Heiden schallet
Der Brüder schmerzlich süßer Ton,
Und in die Erdenklage hallet
Der Engel Lob vor Gottes Thron.

Kilde:
Her fra: ZENO.org-Bibliothek
http://www.zeno.org/Literatur/M/Schwab,+Gustav/Gedichte/Gedichte/Gr%C3%B6%C3%9Fere+Dichtungen/1.+Legende+von+den+heiligen+drei+K%C3%B6nigen

Dansk oversættelse af Schwabs digt:

Andreas Munch (1811-1884) var en af sin samtids – nationalromantikkens – betydeligste digtere. Han digtede ubesværet på dansk, hvad hans oversættelse af Schwabs gendigtning af legenden om kongerne tydeligt viser. Han blev senere overset og sat i skyggen af Bjørnson og Ibsen og har aldrig siden fået sin rette plads.

I 1852 udgav han en oversættelse af Schwabs gendigtning af Legenden om kongerne. Den udkom i Christiania under overskriften: “Legende om de hellige tre Konger i 12 Romanzer efter Gustav Schwab”. Hvis du kan læse “krøllede” bogstaver, er der et link til Munchs tekst: Klik her